Montag, 12. Dezember 2016

In Toulouse und um Toulouse und um Toulouse herum

Servus, Freunde Frankreichs,


[dans les dernières semaines, je n'ai pas eu beaucoup de temps a voyager. Quand même, c'était assez pour visiter Cordes sur Ciel, Albi, Rocamadour, Cahors et, encore une fois, Agde.]

die Serie hält: Nach wie vor gab es bisher keine einzige Woche, in der ich nicht aus Toulouse weggekommen bin. Da zuletzt viel in Toulouse zu erledigen war, reichte es zwar nur für Tagesausflüge, aber so lernte ich zumindest die Umgebung von Toulouse etwas besser kennen. Die Ziele der letzten Wochen: Cordes sur Ciel, Albi, Rocamadour, Cahors und Agde.

Cordes sur Ciel und Albi

Cordes sur Ciel, ein überaus schöner, entspannter Ort irgendwo im Nirgendwo.
Cordes sur Ciel ist ein schmuckes Kleinod mit einer urigen Athmosphäre, das etwa 100 km nordöstlich von Toulouse liegt. Unspektakulär, aber ein schönes, authentisches Dorf, in dem man zwei Stunden entspannt umherspazieren und eine ansprechende Aussicht aufs Umland genießen kann. Eindeutig ein Highlight der Region!

Albi: Nett, aber keine Pflichtstation in der Region
Albi dagegen, von Reiseführern sowie den Italienern unseres ERASMUS-Programms seiner Schönheit gerühmt, enttäuschte ein wenig: Klar, die Kathedrale ist von innen beeindruckend, und es gibt Stadtmauern, Brücken, einen Fluss und einen Park. Insgesamt wirkte das aber eher wie Stückwerk und nicht wie eine in sich stimmiges Stadtbild; abgesehen von ein, zwei "Postkartenmotiven" mangelt es der Stadt an Flair.


Umso schöner dagegen der Sonnenuntergang auf der Heimfahrt: In derartigen Momenten kommt genau die Roadtrip-Atmosphäre auf, die ein Auslandssemester so besonders macht. Wunderbar!

Rocamadour und Cahors

Rocamadour ist ein kleiner, mystischer Ort rund zwei Stunden nördlich von Toulouse. Er liegt mitten in einer wilden Felswand am Rande eines Tales und wirkt wie ein Mix aus Zwergenfestung aus Herr der Ringe und Hogwarts (zigfach wiederholt von einer mitreisenden belgischen ERASMUS-Studentin: "Sooooooo Hogwarts..." ;-)). Von unten nach oben hinauf sowie von den Mauern der oben gelegenen kleinen Festung ergeben sich spektakuläre Ausblicke. 

Rocamadour, ein magischer Ort
Viel zu sagen ist zu Rocamadour nicht, Bilder können das dortige Flair vielleicht noch am ehesten, wenn auch nicht vollständig herüberbringen. 

Rocamadour wirkt wie ein Mix aus Herr der Ringe, Hogwarts und irgendendeinem Märchen.

Das spannendste an der daruffolgenden Station Cahors war der mühsame Weg dorthin: Da die einzige Tankstelle in Rocamadour geschlossen hatte und auch sonst Zapfstationen in der menschenverlassenen Gegend rar gesät waren, geriet die Anreise dorthin unerwarteterweise zu einer kleinen Mut- und "wannistdieallerletzteverborgenenottankreserveleer"-Probe mit glücklichem Ausgang. Cahors selbst ist dann unspektakulär; noch mehr als bei Albi haben sich Lonely Planet & Co. für ihre Schilderungen ein, zwei nette Fleckchen herausgesucht, während der Rest der Stadt nicht nachhaltig im Gedächtnis bleibt. 

Cahors, Port Valentré - einziges "Highlight" einer ansonsten unauffälligen Stadt inmitten von viel Natur

Ein bisschön Agde...

Der Versuch, in der folgenden Woche noch einmal ein entspanntes Wochenende am Meer zu verbringen, dürfte als größter "Reisefail" in die Historie meines Auslandssemesters eingehen.
Anstatt des Schlüssels zu unserem Airbnb-Appartement erwartete uns in Cap d'Agde lediglich die verschlossene Tür einer bodenlos faulen Agentur, die beschlossen hatte, ihre ohnehin schon spärliche Öffnungszeit von 9.00-12.00 auf 11.30 Uhr zu verkürzen. 

Kurzum: Kein Schlüssel, kein Appartement.  Da sämtliche Hotels der Gegend entweder mit einem überhöhten Preis oder einem kolossal hässlichen "Meerblick" glänzten, blieb nach dreistündiger Suche nur die Heimfahrt nach Toulouse als kleinstes aller Übel. Nichtsdestotrotz: Für eine Stunde Muschelnsammeln am Mittelmeer und Meeresrauschen hat sich der Ausflug dann doch irgendwie gelohnt.

Raue See bei Agde: Viel Aufwand für eine Stunde Mittelmeer. Dennoch schön!
Die Tage in Frankreich neigen sich dem Ende zu, und das SESAME-Projekt frisst fast jegliche Zeit für andere Aktivitäten auf. Zwei kurze Tagesausflüge müssen aber noch drin sein - ihr bleibt auf jeden Fall auf dem Laufenden! À bientôt!

Dienstag, 29. November 2016

Winter is coming - Uni, Toulouser Studentenleben und Weihnachtsmarkt

Bonjour à tous,


[les dernières semaines à TBS étaient un peu plus de stress à cause de beaucoup des présentations et remises. Quand même, j'ai bien aimé les soirées avec mes camérades, et le Marché de Noël à Toulouse, qui a commencé il y a quelques jours, et très drôle.]

nach den überaus entspannten ersten Monaten waren die letzten zwei, drei Wochen an der Toulouse Business School dann doch etwas stressiger. Diverse Abgabetermine, Präsentationen und die Abschlussklausur ballten sich in der letzten Novemberwoche. Den Franzosen reicht ein "Bestanden" aus, während wir "Ingolstädter" auf gute Noten angewiesen sind, obwohl in Frankreich selten mehr als 16 der 20 möglichen Punkte vergeben werden. Das Ergebnis: Ein Haufen individuelle Mehrarbeit.

Vorlesungen, Präsentationen, Businesssimulationen: Ganz nett, viel Quantität, wenig Qualität
Um die Chance auf brauchbare Resultate aufrecht zu erhalten, schob ich einerseits Nachtschichten (Rekord: bis halb fünf Uhr morgens) und bastelte 60-seitige Businesspläne. Andererseits konnte ich aufgrund inhaltsloser Skripte für die große Abschlussklausur nur eine einzige Stunde lernen.

Aber so ist es eben an französischen Business-Schools: Viel Quantität, wenig Qualität; nach meinen Erfahrungen in Marokko hatte ich es sogar noch schlimmer erwartet. Ergo musss man es einfach nehmen wie es ist und das Semester eher als kulturelle und persönliche Erfahrung denn als revolutionären Bildungsschub  betrachten.

Toulouser Feierabendprogramm von links nach rechts: Laser Tag, und Walking Dinner 
Glücklicherweise sorgten einige gelungene Gruppen-Events für ein wenig Ausgleich: So wandelte ich bei den ersten Runden Lasertag meines Lebens auf den Spuren von Barney Stinson - allerdings ohne mich dabei mit Ruhm zu bekleckern. Trotzdem ein Heidenspaß! Beim "Walking Dinner" wurden wir von französischen Studenten bekocht und durften "Tartiflette" probieren (eine Art Auflauf aus Käse, Kartoffeln, Schinken und Zwiebeln). 

Und dann gab es da noch die letzte Hausparty unserer Option Professionelle. Da jeder eine für seine Heimat typische Speise zubereiten sollte, wollte ich mich bequem mit einem typisch bayerischen Obazda aus der Affäre ziehen. Nachdem ich aber zu wenig Paprikapulver hatte und dafür versehentlich zu viel vom falschen Bier hinzugab (Heineken...) ähnelte mein Gericht dann laut einigen Betrachtern eher Erbrochenem. Immerhin schmeckte es dann aber besser, als es aussah. ;-)

Wir verbrachten dann wieder einen kurzweiligen und amüsanten Abend, wie auch die ganze Truppe allgemein sehr sympatisch und harmonisch war und immer viel zu lachen hatte. Schade, dass diese Zeit nun schon vorbei ist! Das nachfolgende SESAME-Beratungsprojekt wird in völlig neuer Zusammensetzun stattfinden.

Der Marché de Noël de Toulouse
Abgesehen davon haben wir in Toulouse seit dem 25. November jetzt auch einen Weihnachtsmarkt auf dem Place du Capitole! Crêpes neben Glühwein sowie Bratwürste neben Macarons und Brezen ergeben ein kurioses Wirrwarr der Geschmäcker und Traditionen. Einige angeblich "deutsche" Angebote sind bei den zahlreichen Besuchern ebenso beliebt wie lokale Spezialitäten wie Cassoulet.

Der Weihnachtsmarkt in Toulouse fällt unter die Rubrik "kurios", ist aber gerade deshalb auf jeden Fall einen Besuch wert.


Ohne jegliche grüne Dekoration fehlt dem Markt allerdings noch ein wenig das typisch-gemütliche Weihnachtsflair, alles wirkt ein wenig künstlich und ungefähr so authentisch wie die Skihalle in Dubai. Aber vielleicht kommt der Weihnachtsbaum demnächst ja noch. Wenn ihr wüsstet, wie sehr ich Christkindlesmärkte liebe - ich werde hier definitiv öfters herkommen! 

Sonntag, 27. November 2016

Paris: Auch beim zweiten Besuch noch magnifique!

Salut à tous,


[il y a trois semaines, j'ai visité Paris pour la deuxième fois dans ma vie. C'était très joli et détendu; Paris est vraiment diversifié et trois jours ne sont pas assez pour voir tous.]

Meine Rettung: Ein üppiges Frühstück nach unserer Ankunft
vor drei Wochen ging es nach meinem Austausch im Jahr 2008 endlich ein zweites Mal nach Paris. Nachdem ich in den vergangenen acht Jahren geistig über die Maßen gereift war, wollte ich Frankreichs Hauptstadt diesmal etwas bewussster wahrnehmen und dort drei zugleich entspannte und intensive Tage verbringen: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit dem Flixbus hin und von Sonntag auf Montag wieder nach Hause.

Nach der Ankunft wünschte ich mich allerdings sogleich wieder in meine Teenagerjahre zurück: So leicht wie damals schien mein geschun-dener Körper die Strapazen der neunstündigen Nachtfahrt nicht mehr zu verkraften. Dafür hatten Melie und ich ein ausgesprochen zentral gelegenes Hotel im Quartier Latin gebucht, das neben seiner günstigen Lage auch durch üppige Vegetation an den Badezimmerwänden zu überzeugen versuchte. N'importe quoi, dafür war es günstig! 

Bonjour Paris!

In nächster Umgebung schauten wir uns zunächst die Notre Dame und das Pantheon an. Letzteres ist überaus schön gestaltet. Neben prachtvollen Innenwänden und einer goldenen Pendeluhr werden in der Gruft die Gebei-ne vieler namhafter Franzosen aufbewahrt, etwa von Rousseau oder von Jean Jaurès, dessen Namen ich allerdings respektloserweise nach wie vor hauptsächlich mit einer U-Bahn-Station in Toulouse verbinde. 

Die Notre Dame ist fraglos ein beeindruckendes Bauwerk. Auf einstündiges Anstehen im Nieselregen verzichtete ich jedoch gerne zugunsten eines heißen Coffee to go. Weitere Stationen: Rathaus, Centre Pompidou, Louvre... unglaublich, was Paris alles zu bieten hat!

Abends trafen wir dann Nicole, eine gute Freundin aus Ingolstadt, die den Luxus genießt, gleich ein ganzes Semester in Paris verbringen zu dürfen. Zusammen stiegen wir auf den Arc de Triomphe. Der wurde zwar seltsam grün beleuchtet, um das Zustandekommen des Weltklimavertrags zu feiern. Nichtsdestotrotz war die Aussicht auf das Lichtermeer von Paris inklusive Eiffelturm beeindruckend.

Bizarres Paris: Grüner Arc de Triomphe links, Katakomben Mitte und rechts.
Früh am nächsten Morgen besichtigten wir eine Sehenswürdigkeit einer Kategorie, wie ich sie zuvor noch nie gesehen hatte: Les Catacombes, Teil des riesigen Tunnelsystems unter der Stadt. Im Lauf diverser Kriege und Seuchen haben die pragmatischen Bürger von Paris dort über sechs Millionen Gebeine aufgestapelt. Das Ergebnis ist heute zu besichtigen: Ein zugleich beeindruckender, bedrückender und ein wenig makabrer Ort. Am Ende der Tour durch die Gänge ist man froh, wieder draußen zu sein!

Die Mimik eines Weltmannes!
Danach ging es weniger morbid weiter: Von den Galeries Lafayette genossen wir einen weiteren tollen Rundumblick auf Paris, ehe dann die Touri-Attraktion in Paris schlechthin auf dem Programm stand: Le Tour Eiffel. 

Die Schlange davor war leider zu lang, um sich den Blick von oben herab auf Paris zu gönnen. Aber auch rund um den Turm herum ergeben sich viele schöne Perspektiven, gerade auch später bei Nacht. Erkenntnisse intensiver Betrachtung: Alle volle Stunde blinkt der Eiffelturm in pulsierenden Mustern, und nachts um eins wird die Beleuchtung dann ganz abgeschaltet. 

Nicole, Melie und ich. Im Hintergrund rein zufällig ein großer Turm, dessen Name mir leider entfallen ist.
Unser letzter Tag in Paris stand dann ganz im Zeichen von Montmartre: Zunächst genossen wir dort einen ausführlichen Brunch mit einer fantastischen Kombination aus süßen und herzhaften Elementen. Danach schlenderten wir  durch das wunderschöne Viertel mit seinen typischen Dächern und steilen Straßen in Richtung Sacré Coeur. 

Auch zu später Jahreszeit lassen sich die Treppen dort aufgrund der Menschenmassen nur im Schne-ckentempo bewältigen: Zu viele Menschen nutzen die Kulisse, um den Blick auf die Stadt zu genießen oder Erinnerungsfotos zu schießen. Dem standen wir dank Nicoles Selfie-Stick in nichts nach:

Selfie vom Selfie? Darauf kam auch der Postillon schon mal ;.)
Viel zu schnell ging der letzte Tag schlussendlich vorbei, bis hin zu einem enttäuschenden Abendessen mit einem arroganten und dreistem Kellner - auch das ist eben Paris! Aber das konnte niemandem ernsthaft die Laune verderben. Zu gelungen waren die drei Tage zuvor gewesen, und zu viele schöne Eindrücke hatten wir aus der Stadt mitgenommen. So traten wir die Heimreise nach Toulouse ein wenig wehmütig an. Der dritte Besuch kommt bestimmt!

Mittwoch, 9. November 2016

Full House in Toulouse - Landsberger Homies zu Besuch!

Salem aleikum Freunde, 


[la semaine dernière, cinq anciens amis de ma patrie sont venus me visiter - c'était très marrant et nous n'avons pas seulement visité Toulouse mais aussi Biarritz, Bayonne et San Sebastian encore une fois.]

...Moment, wieso die arabische Begrüßung? Stimmt, da war etwas: Schon im Auslandssemester in Marokko vor drei Jahren hatte ich Besuch von meiner besten "Landsberger Clique" bekommen - siehe dieser alte Blogartikel. Drei Jahre später war das Kommen meiner besten Freunde von daheim wieder etwas, dem ich ich seit Beginn des Frankreich-Aufenthalts freudig entgegengeblickt hatte. Und es wurden dann auch fünf sehr kurzweilige und schöne Tage!

Bienvenue à Toulouse, Kevin, Flo, Isi, komischer Gnom im blauen Shirt, Lisa und Anna!

Zunächst war Toulouse-Kennenlernen angesagt, mit allen Facetten, die treuen Bloglesern bekannt sein sollten ;-). Die französische Gastronomie beeindruckte meine Landsberger Freunde übri-gens durch Käfer im Salat ("pardon, c'est la sala-de fraîche...") und Käfer im Fleischspieß (daran hatte nicht nur der Käfer etwas zu knabbern ). Bei wunderbarem Wetter und französischem Frühstück morgens traten die dezent beengten Platzverhältnisse in den Hintergrund, für gute Laune und Spaß war gesorgt. Schön, wenn die "zweite Familie" sich jetzt mehr unter meinem Toulouser Studentenleben vorstellen kann! 

Am Ende einer kurzen und effizienten Abstimmung (sechsstündige Debatte) buchten wir am Sonntag um drei Uhr morgens Mietwagen und  Hotel für einen Ausflug Richtung Biarritz. Wir wollten unbedingt ans Meer, und nach dem tollen letzten Aufenthalt dort vor ein paar Wochen lag dieses Ziel nahe. Der tapfere Flo als Fahrer des zweiten Autos lernte schon bald das interessante Fahrverhalten französischer Autofahrer kennen, was seine Wertschätzung gegenüber unseren französischen Nachbarn nicht gerade steigerte. 

Biarritz, Plage du Miramar


Nichtsdestotrotz kamen wir sicher an und konnten uns über Biarritz bei Ebbe freuen. Zwischen dem  Grande Plage und dem Plage du Miramar spritzt bei größeren Wellen starke Gischt über die Felsen auf den Fußgängerweg. Eventuell hätte ich es meinen Freunden gleichtun und schnell dort vorbeihuschen sollen, anstatt aufreizend lässig und langsam durchzulaufen...das Ergebnis ist rechts zu besichtigen.

Später zwang uns unerwartet dichter Nebel zum Rückzug in eine leckere Tapas-Bar. Abends ging es kulinarisch gelungen weiter: Nach langer Suche entdeckten wir in Bayonne ein vorzügliches baskisches Restaurant mit einem etwas verrücktem, dafür aber herzlichem Wirt.
Aufgedreht, aufgeregt, finster - die Blicke der Crew kurz vor dem sehnlichst erwarteten Abendessen
Am Tag darauf hatten sich die Nebelschwaden verzogen. Nach einem feinen hausgemachten Frühstück in Bayonne und einer kurzen Tour durch die Stadt machten wir noch einmal in Biarritz Station, um unseren am Vortag unterbrochenen Spaziergang entlang der Küste fortzusetzen. Auch beim zweiten Aufenthalt dort beeindruckte mich Biarritz mit seinem Mix aus Eleganz und rauer See!

Biarritz avec le gang! Pardon für Gruppenbild numéro 3! ;-) 
Nach San Sebastian weiterzufahren, war dieses mal keine so geniale Idee - wir mussten knapp eine Stunde suchen, bis wir einen Parkplatz in einem der überfüllten Parkhäuser fanden. Dafür ist spansicher Kaffee dem französischen um Längen überlegen, wie Kaffeetester Prof. Dr.-Ing. Florian Pfaffeneder erfreut feststellte. 

Am Ende war der Besuch viel zu schnell vorbei - die Truppe flog Dienstagabend zurück nach München zum Arbeiten und Studieren, für mich waren zwei Tage TBS angesagt, bevor dann Paris auf der Agenda stand. Merci beaucoup Kinder, es war mir ein Fest! Auf hoffentlich noch viele gemeinsame Reisen!


Freitag, 28. Oktober 2016

Abschleppen für Fortgeschrittene [Andorra Style]

Hola amigos,


[le week-end dernier, j'ai fait un trip à Andorra pour faire du shopping et pour faire des randonnées dans  les Pyrénées. Avec quatre de mes amis, ç'était très cool bien que ma voiture ait été embarquée à la fourrière.]

dieses Wochenende sollte im französischen Reisealltag für etwas Abwechslung sorgen: Neues Land (Andorra), neue Umgebung (Berge) und neue Mitreisende (Leon und Lisa waren mit an Bord). Und ohne Zweifel - dieses Ziel wurde erreicht bis übertroffen. Doch der Reihe nach....

Die Hauptstadt: Andorra la Vella

Die größte Stadt des Zwergstaates, knapp drei Stunden mit dem Auto von Toulouse entfernt, ist hauptsächlich als günstige Einkaufsmöglichkeit für Luxusgüter, Alkohol und Zigaretten bekannt. Nicht umsonst waren wir von einigen Mitstudenten und Mitbewohnern gebeten worden, doch bitte fünf Stangen Zigaretten und zwei Flaschen Wodka Poliakov mit heimzubringen.

So richtig stimmig wirkt Andorra la Vella nicht -  Shoppingzentren erscheinen vor der Bergkulisse eher deplatziert
Die langen Shoppingstraßen und Einkaufszentren von Andorra la Vella stehen in krassem Widerspruch zum Hochgebirgspanorama, das sich dahinter erstreckt. Das könnte in der Theorie spannend oder innovativ aussehen. In der Realität wirkt das Stadtbild deplatziert und lieblos; eine historisch gewachsene Altstadt gibt es nicht. So taugt der Ort zwar für eine eintägige Shoppingtour, für längere Aufenthalte jedoch gibt es jedoch definitiv spannendere Ziele.

Am ersten Abend abgeschleppt

Parkplätze in Andorra sind extrem rar gesät. Erst nach zwanzig Minuten fanden wir abends schließlich einen zwar etwas abgelegenen, aber vermeintlich kostenlosen Parkplatz. Nach dem Abendessen liefen wir entspannt in Richtung Hotel zurück, als sich auf einmal ein Abschleppwagen näherte, der ein deutsches Auto abschleppte...mein Auto. Kurzfristiger Schockmoment!

Proudly presenting: Mein teuerster Parkplatz aller Zeiten... rechts vorne die zugehörigen Souvenirs ;-)
Auf die Straße springend und mit einem Mix aus rudimentärem Spanisch und wilden Gesten konnte ich den Abschlepper zum Anhalten bringen. Der Passat wurde an einem Parkhaus abgeladen. Schnell wurde klar, was passiert war: Sonderlich legal war der Parkplatz wohl doch nicht gewesen, und der Müllwagen hatte nicht passieren können. Mit 120 Euro, zahlbar in bar, kam ich noch glimpflich davon - vor allem, da meine sensationellen Mitreisenden darauf bestanden, dass wir die Summe auf uns aufteilten. Danke dafür nochmal! :-)

So saß ich also nachts um halb zwölf im Verkehrsbüro von Andorra la Vella und füllte Formulare aus. Die Beamten waren glücklicherweise ausgesprochen freundlich und geduldig - ich wüsste nicht, ob ich zu derart später Stunde noch so gelassen meiner Arbeit nachgehen könnte. Insgesamt lässt sich die ganze Geschichte unter "Glück im Unglück" verbuchen: Wären wir dem Abschlepper nicht begegnet, wäre der Schock ob des leeren Parkplatzes am nächsten Tag groß gewesen, zusammen mit höheren Kosten und vermutlich stundenlangem Aufwand, um das Auto wieder aus einem offiziellen Verschlag loszueisen.

Ein bisschen Wandern: Rundgang in den Pyrenäen

So kamen wir am Sonntag doch noch zum Wandern, dem mäßigen Wetter und der Verkehrswache zum Trotz. Im kleinen Andorra sind Berge und die für den Tourismus überlebenswichtigen Skigebiete nie weiter als 20 Minuten entfernt; mit dem Auto erreicht man schnell Orte um die 2500 Höhenmeter. 

Micheala, Lisa, Leon, Melie und ich: Das Expeditionsteam, hier noch ohne Sauerstoffmasken im Basislager.

Ich war überrascht, wie massiv die Gebirgszüge der Pyrenäen ausfallen, die sich hinter den Alpen nicht verstecken müssen. Große Teile sind durch Straßen und Skilifte erschlossen, doch gibt es auch ansprechende Wanderwege: Wir drehten eine kleine Runde zu den Llacs de Tristaina, die mit steilen Anstiegen, tollen Bergpanoramen und dem Anblick der schön gelegenen Bergseen einen wunderbaren Kontrast zu den bisherigen Aktivitäten im Auslandssemester darstellte. 

Hochgebirge auf über 2500 m und im Winter viel Skitourismus: Die östlichen Pyrenäen.
Verrückt, wie vielseitig die Eindrücke und Erlebnisse der letzten Monate waren! Ein weiteres fantastisches Wochenende ist damit vorüber - und das nächste verspricht ebenfalls großartig zu werden: Meine Landsberger Clique kommt zu Besuch! 

Dienstag, 25. Oktober 2016

Perspektivenwechsel: Einmal Fremdenführer statt Tourist

Salut à tous,


[il y a dix jours, ma mère m'a rendu visité et nous avons visité Toulouse, mais aussi Bordeaux et, encore une fois, le Dune du Pilat. Cela fut vraiment cool, marrant et avec beaucoup de plats delicieux.]

vor eineinhalb Wochen wechselte ich für vier Tage den Blickwinkel: Vom Gast zum Gastgeber, vom Tourist zum Fremdenführer und vom unabängigen ERASMUS-Stundenten zum Sohnemann, der "sein" Toulouse präsentiert: Mama kam zu Besuch! Ein lustiges Wochenende, das Entspannung und viele Fußkilometer vereinte.

Selfie-Time mit Weißwurst: Links Frankreich, mittig Mama, rechts Ingolstadt!
Zunächst wurde meiner WG etwas bayerische Kultur nähergebracht: Selbstverständlich begeisterten zehn Paar echte Weißwürste, Münchner Brezeln und süßer Senf nicht nur uns Deutsche, sondern auch meine Mitbewohner. Lediglich Melvyn blieb der Konsistenz der Brezeln gegenüber etwas skeptisch, trotzdem kann dieses Beispiel deutsch-französischer Integrationspolitik zweifellos als gelungen betrachtet werden!


Toulouse, Pont du Halage de Tounis


Zudem fand ich endlich einmal Zeit, in Ruhe den unteren Teil der Toulouser Innenstadt etwas besser kennenzulernen. Carmes und Saint Ètienne sind wirklich schöne Viertel mit vielen netten Plätzen und Restaurants respektive stilvollen alten Gebäuden und vornehmen Läden. Vom Jardin de Plantes war ich allerdings etwas enttäuscht, was sicher auch am trüben Wetter und den Bauarbeiten lag, die derzeit dort stattfinden. 



Mein Versuch, die Vorzüge französischer Küche zu demonstrieren, war glücklicherweise erfolgreich: Das Chez Émile in Toulouse entpuppte sich als exzellente Wahl und das Le K Baroque in Bordeaux hatte weitaus mehr zu bieten als nur eine exzentrisch-verspielte Theateratmosphäre. Delicieux! 

An köstlicher Verpflegung mangelte es definitiv nicht!

Dieser Umstand entschädigte ein wenig für das durchwachsene Wetter, das pünktlich zur Ankunft meiner Mutter einsetzte: Es blieb kühl und regnete gelegentlich; die Dune du Pilat war bei starker Bewölkung weniger imposant als bei strahlendem Sonnenschein. Dafür bot Arcachons Strand bei Ebbe eine faszinierendes Bild aus Muscheln und Sandmustern, und durch eine Fahrt auf Karussell und Riesenrad bekam ich bei meinem zweiten Besuch andere Seiten von Bordeaux mit.

Auch der zweite Trip nach Bordeaux & zur Dune du Pilat war eine Mordsgaudi :-)
Insgesamt war es ein richtig schöner Besuch, der "Tradition" unserer gemeinsamen Marokko-Reise folgend. Merci, Maman!



Donnerstag, 20. Oktober 2016

Biarritz, Bayonne & Baskenland

Bonjour liebe Sportsfreunde,


[au cours de la semaine, nous avons eu beaucoup du travail pour l'université et une fête marrante à la maison d'un camarade d'études. Le voyage au week-end suivant, j'ai fait un voyage à la côte atlantique: J'ai beaucoup aimé la côte sauvage à Biarritz, la vieille ville à Bayonne et les baies jolies à Saint-Jean-de-Luz et à San Sebastián.]

wieder einmal liegt eine ausgesprochen intensive Woche hinter mir, die wie im Flug vergangen ist. Neben dem Unialltag und viel Projektarbeit war die Hausparty, die mein Kommilitone Paul für unsere Option Professionelle auf die Beine gestellt hatte, das entspannte Highlight unter der Woche. Unser mit 17 Leuten kleiner Schwerpunkt besteht aus einer klasse Truppe mit netten und herzlichen Leuten aus Frankreich, China, Indien, Mexiko, Deutschland und Polen - es gibt immer irgendetwas zum Lachen!

Am Freitagabend startete ich dann auf eine Fahrt, auf die ich mich schon seit Anfang meines Frankreichaufenthalts gefreut hatte: Es ging an die 300 km westlich gelegene Atlantikküste ins Baskenland bzw. ins französisch-spanische Grenzgebiet, begleitet von den frisch herausgekommenen neuen Sum 41- und Green Day-Alben. Erholung pur also!

Biarritz

Surfparadies vs. Zentrum der Haute-Volée: Biarritz
Ehemals als "Stadt der Reichen und Schönen" berühmt, ist Biarritz mittlerweile etwas legerer geworden: An einigen Prachthotels blättert ein wenig der Lack ab, dafür tummeln sich hunderte Surfer in den Wellen an der teils felsigen, teils von Sandstrand gesäumten Küste. Von oben hat dieser Anblick dann etwas von einem Ameisenhaufen...siehe obiges Bild links!
Rocher de la Vierge - Pflicht bei einem Biarritz-Besuch
Ungeachtet der Welle mehr oder minder talentierter Wassersportler gibt es noch mehr als genug Schicki-Micki-Kundschaft. Beim Frühstück fühlte ich mich zwischen 2-Stunden-geföhnt-und-gegeelten schaltragenden Lackaffen und deren Begleitungen dezent "underdressed".

Blick entlang der Küste. Wer sieht den Leuchtturm? ;-)

Der schöne Gebäudestil der Stadt und die spektakulären Ausblicke entlang der Küstenstraßen gefielen mir dennoch außerordentlich gut.
Am langen Strand bis zum Leuchtturm, an den Felsen am Rocher de la Vierge oder an der netten kleinen Hafenanlage könnte ich stundenlang entlangspazieren und aufs Meer blicken. Magnifique!


Bayonne

Bayonne & die Nive





Das Kontrastprogramm gab es am Nachmittag in Form von Bayonne: Eine urige, wunderschöne Altstadt mit sympathischer Athmosphäre. 



Eingerahmt von den Flüssen Adour und Nive bietet der Ort diverse schöne Fluchten und Fotomotive. Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen Grande Bayonne (zentrale Altstadt) und dem baskisch geprägten Quartier Petite Bayonne - es ist erstaunlich, wie gegensätzlich zwei direkt nebeneinander gelegene Stadtteile sein können. Und mir gefällt das baskische Dunkelrot, das man auf vielen Fensterläden dort sieht, sehr. 

Saint-Jean-de-Luz

Baskische Architektur in malerischer Lage: Saint-Jean-de-Luz
Auch weiter unterhalb entlang der Atlantikküste Richtung Spanien liegen mehrere schöne Kleinstädte. Eine davon ist Saint-Jean-de-Luz, lediglich rund 20 km von Biarritz entfernt . Ein "lebendiger Fischerort" (Lonely Planet) ist der Ort zwar zumindest am Sonntag leider nicht, der Fischmarkt war bei unser Ankunft leider schon geschlossen. Dennoch ein netter kleiner Strandort mit kleinen Gassen und einer weit ausgedehnten Sandbucht. 

San Sebastián

Kurz hinter der spanischen Grenze lag dann die letzte Station des Wochenendtrips, San Sébastian. Auch diese Stadt wird von einer weitläufigen Bucht eingerahmt; die lange Hafenpromenade liefert bei Sonnenuntergang eine sehr stimmungsvolle Kulisse. 
Beste Reisetruppe & Sonnenuntergang in San Sebastián
Unser Genuss des baskischen Flairs wurde anonsten leider etwas durch Glucosemangel und die quälend lange Suche nach einer guten Essgelegenheit getrübt - trotzdem wäre die Küstenstadt definitiv wieder einen Besuch wert.